Potentialentfaltung trifft Beziehungskultur: Offener Brief..

Potentialentfaltung trifft Beziehungskultur: Offener Brief..

Beitragvon Teischel » 20. Sep 2016, 22:10

Potentialentfaltung trifft Beziehungskultur
Offener Brief an alle an einer gemeinsamen Neugestaltung der Gesellschaft interessierten Menschen


Im Krug zum Grünen Kranze, Halle an der Saale, den 11. Juli 2016

Es begann mit einer Idee, die gerne verwirklicht sein wollte.
Gerald Hüther, der in den letzten Jahren aus guten Gründen so populär und beliebt gewordene Neurobiologe und Erforscher der hirnphysiologischen und schöpferischen Gestaltungspotentiale des Menschen, war mir seit einiger Zeit ebenso persönlich bekannt wie Hans-Joachim Maaz, Psychiater und Psychoanalytiker aus Halle, der sich seit langem mit der Ost-West-Problematik in Deutschland als einem Musterfall gestörter Beziehungskultur auseinandersetzt und dabei die psychodynamischen Hintergründe zunehmender Entfremdung zu erhellen versucht, die sich im Zusammenleben der Menschen in ihren privaten und gesellschaftlichen Verhältnissen zeigen.
Beide schätzten einander sehr, wie sie mir sagten, waren sich allerdings bislang nur durch ihre Werke - ihre Bücher, öffentlichen Auftritte und Initiativen - bekannt geworden und leider noch nie persönlich begegnet. Und beide hatten etwa zur gleichen Zeit eine ganz besondere Initiative ins Leben gerufen - Hüther die „Akademie für Potentialentfaltung“ und Maaz die „Hans-Joachim Maaz-Stiftung Beziehungskultur“ -, weil sie ihre Erkenntnisse und Vorstellungen über die Entwicklungsmöglichkeiten des Menschen und einer von uns allen gestaltbaren Gemeinschaft weitergeben und öffentlich vermitteln wollten. Um so konkret dazu beizutragen, ein von Empathie, gegenseitiger Achtung und dem Bewusstsein unserer Menschlichkeit getragenes Zusammenleben zu ermöglichen.
Und so müsste es doch überaus inspirierend und ermutigend wirken können, dachte ich mir, wenn es gelänge, die beiden zu einem persönlichen Gedankenaustausch einzuladen, um damit nicht nur Synergien ihrer Initiativen anzuregen, sondern womöglich ein solidarisches Projekt ins Leben zu rufen, das beider Zugangswege und Erkenntnisse über den Menschen in einer schöpferischen - „co-kreativen“ - (Arbeits-)Gemeinschaft Gestalt annehmen ließe.
Ein Projekt, das so leidenschaftlich und vielversprechend erschiene, dass es wie von selbst zur Mitarbeit einladen könnte.

Doch zuerst ein kurzer Blick auf die Ausgangslage der Beteiligten.
Der eine, Gerald Hüther, näherte sich dem Thema von seinen neurobiologischen Forschungen her, die ihn über die Jahre Schritt für Schritt aus der täglichen Arbeit im Labor ins Feld der Beobachtung am Menschen zog. Durch die enormen technischen Neuerungen bildgebender Verfahren, mit denen es möglich wurde, Einblicke in die verschiedenen Areale des Gehirns gewinnen zu können und die Auswirkungen unseres Erlebens und Verhaltens auf die Hirnentwicklung systematisch zu untersuchen, ergaben sich ganz neue Forschungszweige, deren Erkenntnisse folgenreiche Auswirkungen auf den Umgang der Menschen miteinander haben sollten.
Endlich wurde es möglich, die verheerenden, traumatisierenden Erfahrungen und Zusammenhänge von Angst und Gewalt nachzuweisen (Hüther, 2007; Bauer, 2011), die sich an schrumpfenden Hirnarealen ebenso zeigen wie bereits am Verhalten eines gestressten Fötus im Mutterleib. Was Psychoanalyse und Säuglingsforschung lange schon an psychischen Erkrankungen und Verhaltensauffälligkeiten beobachten konnten, bestätigte sich jetzt auch hirnorganisch und psychosomatisch immer deutlicher: die oft lebenslangen Schädigungen und Entwicklungsstörungen durch traumatische Erlebnisse, besonders in der Frühzeit kindlicher Entwicklung, da ein Mensch auf Geborgenheit und Sicherheit angewiesen ist wie kein anderes Lebewesen.

Je klarer sich herausstellt, wie eng verflochten unser Beziehungs(er)leben, in dem jeder einzelne Mensch von Anfang an existiert, mit den Potentialen oder eben Störungen seiner Entwicklung zu einer selbstbewussten Persönlichkeit ist - wie eng unser Sozialverhalten, empathisches Handeln und unser Selbstwertgefühl miteinander zusammenhängen -, desto wesentlicher werden diese Erkenntnisse für eine angemessene Gestaltung unserer Beziehungskultur. Vom Umgang des Einzelnen mit sich selbst bis zur Solidarität aller Menschen dieses Planeten erhebt sich die Frage nach der (Selbst-)Verantwortung und die Notwendigkeit einer globalen Ethik, die zwischen den leibseelischen Verheerungen des Menschen und der Erde keinen Unterschied mehr macht.
Diese Zusammenhänge erforscht Hans-Joachim Maaz seit seiner langjährigen Tätigkeit als Arzt und Psychoanalytiker, vor allem auch durch seine Erfahrungen vor und nach der sogenannten „Wende“-Zeit. Aus der Sicht des psychoanalytischen Therapeuten wird heute die Ausprägung eines immer drastischeren Narzissmus offenbar, der mittlerweile die ganze Gesellschaft „infiziert“ zu haben scheint (Maaz, 2012).
Da Maaz die psychischen Störungsbilder früherer und heutiger Patienten vergleichen kann und in seiner Arbeit die verschiedenen Abwehr- und Überlebensstrategien unterschiedlich überforderter und entfremdeter Menschen gleichsam hautnah miterlebt, ließen sich auch die fatalen Auswirkungen dieses Narzissmus auf die Beziehungen der Menschen erkennen, die sich zunehmend nur noch oberflächlich begegnen und sich dabei immer massiver voneinander abgrenzen, „spalten“ und verurteilen.

Die zunehmende Identitätslosigkeit entwurzelter Menschen und die wachsende Entfremdung des Einzelnen von seiner inneren und äußeren Natur, die oft gar nicht mehr bemerkt wird, weil er sich zunehmend in virtuellen Scheinwelten verliert, bringt dann fatale Ersatzlösungen hervor, die Halt geben sollen: Ideologien, Vorurteile und Machtstrategien aller Art, in deren Namen sich bewertet, bekämpft und unterdrückt wird. Und dazu müssen wir gar nicht den aktuellen Umgang mit Flüchtlingen und anderen Minderheiten als Beispiele heranziehen: in viel zu vielen Partnerschaften und Familien sind tägliche Machtkämpfe und Ausbrüche körperlicher und psychischer Gewalt, Demütigungen und Herabwürdigungen des (der) Anderen leidvolle Realität.
Die Kehrseite solcher nach außen gerichteten Aggression, die eigentlich zutiefst in unserer Ohnmacht wurzelt, sind die gegen uns selbst, nach innen, gewendeten depressiven Strategien: jene Haltungen, in denen wir uns anpassen, gehorchen, zum Funktionieren zwingen und zu optimieren versuchen - bis schließlich, früher oder später, unsere psychosomatischen Erkrankungen unsere Entfremdung bezeugen. Denn unser Unbewusstes, in das wir unsere Sehnsucht nach einem anderen Leben verbannt haben, revoltiert mit unserem Körper gegen diesen Verrat.

Das alles sind Beobachtungen und Erfahrungen, die auch ich, als der Dritte im Bunde und Vermittler unserer Begegnung in Halle, immer wieder im Umgang mit Patienten in meiner Psychotherapeutischen Praxis und im Laufe meiner eigenen, leidvollen Lebensgeschichte machen konnte. Meine empathische Verbundenheit mit dem Erlittenen der Gewalt und der Entfremdung vom eigenen Selbst und dessen eigentlichen Potentialen wurde zum Leitmotiv meiner therapeutischen Arbeit. All jene schmerzlichen Symptome („Süchte“), die sich ausbilden, um unter entfremdeten Umständen irgendwie überleben zu können und die in den Lebensgeschichten der Patienten begegnen, bezeugen zugleich deren Sehnsucht nach Veränderung und die Suche nach jener verlorenen Geborgenheit im eigenen Leben, die nur in einem stabilen Selbst beheimatet sein können.

Wir trafen uns an diesem schwülwarmen Julitag zuerst in einem Praxisraum von Maaz, (der uns zu sich eingeladen hatte), wo sich gemütlich in einem Giebelerker vor dem Fenster auf einer kleinen Empore sitzen ließ. Nach unserer Anreise aus Göttingen und dem aktuellen Baustellen-Chaos in der Saalestadt, trafen wir etwas verspätet ein und waren zunächst vor allem durstig.
Mit der herzlichen Begrüßung kam auch schon der Erzählfluss in Gang und noch einmal wurden die Grenzen der absurden Teilung in diesem Land am eigenen Beispiel schmerzlich erinnert, ebenso wie die bisherigen Wege, Fluchtwege und Umwege, die das Leben der beiden Forscher schicksalhaft genommen hatte.
Es herrschte in der DDR öffentlich eine so beklemmend unfreie Atmosphäre, die Hüther eines Tages nicht länger mehr aushalten konnte und wollte und die ihn, im Alter von 28 Jahren, bei einer schicksalhaft günstigen Gelegenheit, mit gefälschtem Visumstempel im Reisepass den Schritt zur Flucht in den Westen wagen ließ (Focus, 2014).
Maaz hingegen hatte eine berufliche Nische im System gefunden, wo er unter dem Dach der vom Regime geduldeten Evangelischen Kirche in einem Diakonie-Krankenhaus relativ unbehelligt seiner Arbeit und seinen Studien nachgehen konnte.
Der eine also hatte nicht länger die Kraft, zu bleiben, der andere, wie er sagt, nicht den Mut, zu gehen - und doch hatten beide gute Gründe für ihre eigene Entscheidung.
Auch ich habe mir meine persönliche Herkunft nicht ausgesucht (das hat niemand von uns), und es war reine Willkür einer absurden Logik der Geschichte - „Zufall“ -, dass ich, geboren bei Göttingen und aufgewachsen in Goslar, nicht auch auf der östlichen Seite jener „Zonengrenze“ gelandet bin, die nur ein paar Kilometer entfernt verlief. Das hat mir zwar eine andere, doch nicht minder ideologische - nämlich kapitalistische - Sozialisation aufgebürdet.

Und damit lag bald ein brisantes Thema in der Luft, das uns den Tag über weiter begleitet hat.
Denn durch unser gemeinsames Gespräch in so leibhaftiger Nähe wurde der Riss in der Zeit und in unseren Biographien augenblicklich so liebevoll überwunden, dass uns der Wahnsinn einer „Normalität“, in dessen Namen sich jahrzehntelang ausgegrenzt, verdächtigt und bekämpft wurde, im Nachhinein nur noch „verrückter“ anmuten konnte.
Und um so schwerer erträglich erscheint es außerdem, wenn sich derzeit überall auf der Welt in vielen Gesellschaften schon wieder so gravierende Spaltungen vollziehen, die eine Kultur achtungsvollen Miteinanders so schmerzlich vermissen lassen.

Unser leidenschaftlicher Geist war an diesem Tag jedenfalls sehr leicht zu inspirieren und zu beflügeln. Als ob die empathische Sehnsucht ihre Gegenwart spürbar vermittelte, ließ sie uns wie von selbst darüber nachdenken, wie eine ähnlich wohltuende Erfahrung, wie wir sie heute erleben durften, überall unter den Menschen und mit ihnen gemeinsam ermöglicht werden könnte. Welche Projekte und Initiativen sich künftig miteinander schöpferisch aus dieser Sehnsucht ins Leben rufen und gestalten ließen.
Inzwischen waren wir längst nach draußen umgezogenen und dabei in so inspirierender wie wunderbarer historischer Umgebung eingekehrt: In den Krug zum Grünen Kranze, in dem bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts die romantischen Dichter Joseph von Eichendorff und Wilhelm Müller Stammgäste waren, und wir labten uns, mit Blick auf die Saale, an eisgekühltem Wasser, Kaffee und köstlichem Obstkuchen vom Blech. Was für ein prächtiger Sommertag, was für eine inspirierende, ermutigende Gesellschaft an diesem denkwürdigen Ort, in einer der klassischen Kulturregionen dieses schrecklich schönen, geschundenen, geteilten, wieder vereinten und noch längst nicht wirklich befriedeten und solidarischen Landes - das damit heutzutage wie ein Symptom dieser zerrissenen Welt erscheint, obwohl es sich viel zu oft als deren „Retter“ aufspielt.
Dabei stehen wir alle heute vor nie dagewesenen Herausforderungen, die nach ganz neuen Antworten verlangen, von denen kein Mensch ausgeschlossen sein sollte. Längst sind wir alle zu Bewohnern eines „Global Village“ (McLuhan, 1995) geworden.

Statt der offenen Unterdrückung früherer Zeiten greifen immer raffinierter, subtiler und unmerklicher die Mechanismen der Verführung. Wir werden unsichtbar kontrolliert, überwacht, vermessen und mit Werbebotschaften aller Art manipuliert. Und wir geben bei jedem Einkauf und jeder Kontobewegung per Kreditkarte, jedem Telefonat, jeder versendeten Nachricht über unsere vernetzten Mobilfunkgeräte und mit jedem Tastendruck auf unseren Computern neue Auskünfte über uns, die uns noch effizienter berechnen und ausbeuten lassen. Die sofort und vollautomatisch mit weiteren Besetzungen unserer persönlichen Freiräume und weiteren Manipulationsstrategien beantwortet werden - vorgeblich nur zu unserem Besten -, dass manche auch schon von einer „smarten Diktatur“ sprechen (Welzer, 2016).
Und diese Gefahren zeigen sich inzwischen ebenso in den Befunden der Hirnforschung, der Psychotherapie und Psychosomatik - die Internet-Sucht, deren Gefahren erst seit wenigen Jahren erkennbar werden, verbreitet sich rasant wie die Pest zu Zeiten als es noch keine Gegenmittel gab - wie in den dramatisch fortschreitenden gesellschaftlichen Entfremdungen, da virtuelle Inszenierungen mit realer Gewalt und Terror verschmelzen und immer weniger unterscheidbar sind (so wenig wie leibhaftige von virtuellen Freunden). Zeiten, in denen ernsthaft an möglichst menschenähnlichen Roboter-Clons gearbeitet wird, die alsbald unsere anfälligen, verletzlichen, leidvollen Beziehungen ersetzen sollen. Persönliche Identität und Unsterblichkeit werden uns inzwischen via Festplatte „garantiert“, da wir allmählich, mangels „echter“ Erfahrungen jenseits der virtuellen Welt, unsere produzierten Datensätze und Retorten-Empfindungen für unser eigentliches Wesen zu halten beginnen.
Eher wird uns allerdings, so steht zu befürchten, der Planet um die Ohren fliegen, sind wir so wie noch nie zuvor vom Aussterben bedroht und torpedieren unsere vermeintliche Freiheit, indem wir uns immer abhängiger machen von dieser Ressourcen vernichtenden Wirtschaft eines globalen Ausbeuter-Kapitalismus, der sich noch immer als die beste aller möglichen Welten zu präsentieren versucht. Und die Fesseln herstellt, mit denen er sich selber knebelt. Bis wir, wie die Gefangenen in Platons Höhlengleichnis, die Schatten an der Wand für die wahre Welt halten.
Die bittere Ironie dieser Geschichte - und womöglich einmalige Chance zu einer globalen Veränderung - sind nicht mehr aufzuhaltende gigantische Flüchtlingsbewegungen auf diesem Planeten, so massiv sich der (noch) privilegierte Teil der Welt auch einzumauern versucht.
Die künftigen Entwicklungen sind längst in Gang gesetzt: direkt durch die gnadenlosen, gewaltsamen Ungerechtigkeiten zwischen den Menschen, die letztlich zwischen Arm und Reich, tatsächlicher Ohnmacht und angemaßter Macht bestehen und all den dadurch entfachten Kriegen; und indirekt durch die Folgen solcher ausbeuterischen, die Erde verwüstenden Gier, die immer mehr Gegenden unbewohnbar macht und noch machen wird und dadurch Menschen aus ihren Heimatregionen vertreibt.
Das ist die gesellschaftliche Dimension der allgemeinen Entfremdung. Doch weil es immer und überall konkrete einzelne Menschen sind, die solche Entwicklungen in Gang setzen und zu erleiden haben, wirken sich diese Fehlentwicklungen früher oder später auf jeden Einzelnen von uns aus - vom Mutterleib über unsere Kindheit und in all unseren späteren Beziehungen, von einer Generation zur nächsten, solange wir uns überhaupt noch auf natürlichem Wege fortpflanzen wollen und können.

Doch genau in dieser Dimension persönlicher Betroffenheit und gestaltbarer Verantwortung jedes einzelnen Menschen liegt das ungeheure Potential einer anderen Beziehungskultur.
Weil unsere Sehnsucht nach Geborgenheit und Freiheit seit Urzeiten so tief in uns verankert wurde und auch „Darwin längst ahnte“ (Hüther, 1999), dass wir liebesfähige, empathische und solidarische Wesen sind, gibt es womöglich, gerade mit dem Wissen und der Zusammenschau aller wesentlichen um den Menschen ringenden Disziplinen, von denen da heute einige Vertreter im sehnsüchtigen Dialog miteinander waren, zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit auch die Möglichkeit einer globalen Transformation. Ein Aufbruch in eine neue, zutiefst solidarische und vom Geist der Co-Kreativität getragene Gemeinschaft jenseits aller Machtansprüche, eine Wende, die einem „Quantensprung“ der Evolution gleichkäme.
Womöglich kann es künftig ganz anders weitergehen als bisher, und es wird dabei nicht wieder eine historische Chance kläglich verspielt.
Eine solidarische Einheit steht in jeder Beziehung noch immer aus - in Deutschland, in Europa und überall in der Welt. Doch gerade deshalb, aus dem Bewusstsein unserer Ohnmacht und unserer Schwäche und all der Gewalt, die wir bisher einander und allem Lebendigen angetan haben, kann womöglich endlich eine wahrhaftige Solidarität erwachsen, die keinen einzigen Menschen mehr ausschließt und keinen einzigen mehr erniedrigt.
Das war unsere gemeinsame Sehnsucht dieser Stunden.

Wenn wir diese Welt nicht mehr bloß virtuell als unseren gemeinsamen Lebensort begreifen - im scheinfreien Raum der Datennetze und Unterhaltungsmedien, in denen wir nur weiter Abhängige (Süchtige) bleiben sollen, nach Belieben weniger Mächtiger manipulierbare Konsumidioten, die sich mit „Brot und Spielen“ abspeisen lassen, mit „einem Lüstchen für den Tag und einem Lüstchen für die Nacht“(Nietzsche, 1883/1966).
Sondern wenn wir alle tatsächlich diese Welt wieder oder erstmals als jenen wunderschönen, kostbaren, zerbrechlichen, uns geschenkten und überantworteten blauen Planeten wahrnehmen und behandeln, der uns alle am Leben erhält und uns allen potentiell das gewähren kann, wessen wir für ein gutes Leben bedürfen: Geborgenheit und Freiheit - in vertrauensvollen, solidarischen, einander ermutigenden und inspirierenden Beziehungen.
Es kann gelingen, so leicht wie selbstverständlich, im Bewusstsein unserer leidvollen Geschichte, die wir bis jetzt überlebt haben, und im Bewusstsein unserer Sehnsucht nach einer anderen Gesellschaft, in der jeder Einzelne seine besonderen Talente schöpferisch entfalten kann, bereichert und erweitert durch das Geschenk einer Gemeinschaft von anderen Einzelnen, die sich mit ihm auf den Weg gemacht haben.

Auch erste konkrete Ergebnisse sollte unsere Zusammenkunft an diesem Tag noch haben:
Ich habe mich dabei entschlossen, diesen „Offenen Brief“ an alle potentiellen Interessenten einer neuen Beziehungskultur zu schreiben und damit zur Diskussion und zum Erfahrungsaustausch einzuladen. Dafür wurde außerdem ein Forum auf der Seite der Akademie für Potentialentfaltung eingerichtet.
http://www.akademiefuerpotentialentfaltung.org/forum/
Gerald Hüther initiiert über die Webseite der Akademie ein „Mentoren-Programm“, in dem psychosoziales Erfahrungswissen aus bisherigen gesellschaftlichen Fehlentwicklungen und Wegen einer schöpferischen Beziehungskultur von kundigen Menschen vermittelt und von ratsuchenden Interessenten persönlich und direkt mit den für ihre Anliegen geeigneten Ansprechpartnern ausgetauscht werden kann.
http://www.akademiefuerpotentialentfalt ... nschmiede/
Und gemeinsam mit Hans-Joachim Maaz und seiner Stiftung soll alsbald ein öffentliches Diskussionsforum entwickelt werden - in Zusammenarbeit mit einer geeigneten Medienplattform -, in dem beispielhaft ein transgenerationaler Austausch über die Bedingungen und Möglichkeiten einer grenzüberschreitenden, solidarischen Beziehungskultur stattfinden kann.
Otto Teischel
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http://www.akademiefuerpotentialentfaltung.org
http://www.hans-joachim-maaz-stiftung.org
Bauer, J., Schmerzgrenze. Vom Ursprung alltäglicher und globaler Gewalt, 2011
FOCUS Magazin, Schrei nach Freiheit. Das gefälschte Visum. Nr. 43, 01.11.2014
Hüther, G., Biologie der Angst. Wie aus Streß Gefühle werden, 2007
Hüther, G., Die Evolution der Liebe. Was Darwin bereits ahnte und die Darwinisten nicht wahrhaben wollten, 1999
Maaz, H.-J., Die narzisstische Gesellschaft. Ein Psychogramm, 2012
McLuhan, M., The Global Village. Der Weg der Mediengesellschaft in das 21. Jahrhundert, 1995
Nietzsche, F., Also sprach Zarathustra. Ein Buch für alle und keinen, Vorrede 5, 1883
Teischel, O., Krankheit und Sehnsucht - Zur Psychosomatik der Sucht, 2014
Welzer, H., Die smarte Diktatur. Der Angriff auf unsere Freiheit, 2016
Teischel
 
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