Gastbeitrag von Hans-Joachim Maaz, Stiftung Beziehungskultur

Gastbeitrag von Hans-Joachim Maaz, Stiftung Beziehungskultur

Beitragvon Teischel » 25. Okt 2016, 21:59

BLOG in "The Huffington Post"
Hans-Joachim Maaz
25. Oktober 2016
Jedes Volk hat die Regierung, die
es verdient - Deutschland hat
Merkel

Veröffentlicht: 24/10/2016 17:19 CEST Aktualisiert: 24/10/2016 17:36 CEST

Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient! Selbst in einer Diktatur stabilisieren die Mitläufer das System. Dazugehören-Wollen ist immer stärker als alle Einsicht und Überzeugung.
Menschen mit seelischer Unsicherheit suchen nach Rettern und Führern, Sehnsuchtsprojektionen erzeugen Prominenz und Hass schafft Feindbilder.
In einem demokratischen System werden die Projektionen durch Pluralismus in der Waage gehalten, solange auf allen Positionen "Gewinn" möglich ist.

Der Wohlstand wird immer ungerechter verteilt

In unserer Gesellschaft sind seelische und soziale Bedürfnisse zunehmend durch materielle Werte ersetzt worden.
Wenn aber der "Wohlstand für alle" immer ungerechter verteilt ist oder grundsätzlich infrage gerät, verliert das demokratische Orchester die dirigierende Ordnung.
Wir erleben aktuell diesen Zerfall: die regierenden Parteien und die Opposition im Parlament werden zunehmend als "Einheitspartei" wahrgenommen.
Praktisch abgewählte Parteien bleiben aus notwendiger Koalitionsarithmetik an der Macht, außerparlamentarischer Protest wird diffamiert und eine neue aufsteigende Partei (AfD) wird praktisch aus dem Reihen sogenannter "demokratischer" Parteien grundsätzlich ausgeschlossen.
Die Hetze gegen politisch Andersdenkende verletzt konstituierende demokratische Regeln. Wenn politisches Versagen auf vermeintlich nur ungenügende Vermittlung reduziert wird, werden Wähler indirekt zu Dummköpfen erklärt.
Und Hunderttausende, die AfD wählen, werden zu bloßen Protestlern, Wutbürgern oder sogar zu Rechtspopulisten erklärt, ohne die inhaltlichen Motive der Wahlentscheidung wirklich verstehen zu wollen.

Es entsteht eine politisch korrekte Meinungsdiktatur

Wenn Politiker die gebotene Contenance verlieren und ihren Auftrag durch Hetze entehren, wenn politischer Protest nur noch diffamiert wird und das vermeintlich Gute mit Gewalt und Verfolgung Andersdenkender durchgesetzt wird, entsteht eine politisch korrekte Gesellschaft der Meinungsdiktatur.
Die deutsche Gesellschaft ist zunehmend überfordert, auf die globalen Bedrohungen angemessen reagieren zu können. Jetzt rächt sich die verweigerte inner-seelische Demokratisierung.
Das individuelle Fehlverhalten, die persönliche Schuld an Gesellschaftspathologien werden nicht erkannt und akzeptiert. Dazu gehören Nationalsozialismus, real existierender Sozialismus, gierig-narzisstischer Kapitalismus.
Die seelischen Defizite werden materiell und ideologisch kompensiert, das eigene Böse auf Feindbilder projiziert und die gemeinsame Bedrohung der weiteren gesellschaftlichen Entwicklung durch die Spaltung in "Geschwisterkämpfe" destruktiv abgewehrt.

Woher stammen Kriegslust, Völkermord und Rassenwahn?

Die Last unserer Vergangenheit - die mehrheitlich gestaltete Verbrechergesellschaft, kann nicht durch verordnete äußere Demokratie, durch Gelöbnisse und Feierstunden und durch den Kampf gegen "Rechts" getilgt werden.
Es bedarf der ganz persönlichen Klärung, aus welchen seelischen Tiefen Kriegslust, Völkermord, Rassenwahn und Fremdenhass entspringen.
Süchtiges Wohlstandsstreben, übertriebene Liberalität und geheuchelte Humanität halte ich für Reaktionsbildungen, um das Gegenteil von dem beweisen zu wollen, was innerseelisch nicht wirklich bewältigt ist. So ist Verbrechens-Schuld in Wohlstands- Schuld und Humanitätszwang verwandelt worden.
Das ist sicher schwer zu verstehen, denn was kann man schon gegen Wohlstand und Humanität einwenden.
Nur an der Gier, an der Süchtigkeit, dem Wachstumszwang, der Illusion der Unbegrenztheit und an den in die Zukunft und andere Regionen verlagerten zerstörerischen Folgen ist das Ausagieren tiefsitzender seelischer Verletzungen und unerfüllter Bedürfnisse zu erkennen.
Sicher spielt die Bundeskanzlerin im System der Abwehr und Projektion eine herausragende Rolle.
Auch wenn allmählich ihr Projektionsglanz bröckelt, bleibt es erstaunlich, weshalb diese Frau so viel Verehrung, Respekt und vor allem Schonung und Verteidigung erfährt.
Ich halte die liebevoll-ironische bis auch verächtliche Bezeichnung als "Mutti" und die Einschätzung als "mächtigste Frau der Welt" weniger für real begründet als vor allem für Projektionstitel.
Jeder Mensch wird entscheidend durch seine Mutter geprägt und wirkliche Mutterliebe als emphatische Spiegelung, Bestätigung und liebevolle Befriedigung des Kindes ist rar geworden.

Die "gute Mutter" ist verloren gegangen

Egoismen, Karrieredenken, Zeitmangel, ökonomische Zwänge und eine feministische Ideologie gegen gute Mütterlichkeit lassen die meisten Kinder in ihrem Liebesbedürfnis unbefriedigt und in ihrer Einmaligkeit und jeweiligen Andersartigkeit unbestätigt.
Die "gute Mutter" ist verloren gegangen und der "Muttermangel" wird in der Hoffnung und Verehrung der "großen Mutter" kompensiert. Man muss fürchten, dass eine unerfüllte Muttersehnsucht vieler Deutscher Frau Merkel projektiv beliebt gemacht hat.
Mit ihrer zurückhaltenden, abwartenden Art, die Heftigkeit vermeidet und Aggressives dämpft, Konflikten keine Zielscheibe bietet und um ausgleichende Harmonie bemüht ist, bietet sie die ideale Projektionsfläche der gütigen, schützenden, versorgenden und weisen Ur-Mutter.
Einem solchen Symbolbild geben sehr Viele aus unbewusster Sehnsucht heraus einen Vorschuss. Damit konnte die Bundeskanzlerin selbst in sehr bedrohlichen Krisen "durchregieren".
Die ängstigende Ahnung der meisten Deutschen, dass unser bisheriges Wachstums- und Wohlstandsleben ein Ende findet, konnte mit der scheinbar stoischen Ruhe und Unaufgeregtheit der "großen Mutter" lange Zeit entlastend geerdet werden.
Erst mit der Flüchtlingsproblematik, als die "Mutter" eindeutig die "Pflegekinder" gegen die Interessen der "eigenen Familie" bevorzugt hat, demontieren Verlustangst, Neid und Eifersucht das idealisierte Mutterbild.
Jetzt zeigt die Verehrte plötzlich eine moralisierende Strenge ("humanitäre Verpflichtung", "moralischer Imperativ"), verleugnet die Realität ("Wir schaffen das!", "Es gibt keine Obergrenze!"), wird belehrend ("alternativlos!") und zeigt sich trotzig- rigide und verliert damit zusehends ihren projektiven Heiligenschein.

Die Revolte bleibt aus

Die sogenannte "Merkel-Wende" vom 19.09.16 ist sicher einem Machtkalkül geschuldet und bleibt solange unglaubwürdig, solange die Zuwanderung nicht konsequent kontrolliert und begrenzt wird.
Die vielzitierte Ursachenbekämpfung müsste auch die kapitalistische Wirtschafts- und Handelspolitik miteinschließen. Aber die Revolte vorerst bleibt aus.
Dass die Bundeskanzlerin, ihre Würde wahrend und zum Schutz der CDU, zurücktritt, lässt offenbar ihr Charakterpanzer nicht zu. Dass sie aus eigenen Reihen gestürzt würde, wird aus Machtkalkül (kein Nachfolger) nicht geschehen.
Dass Angela Merkel die einzige Option als Chefin und Kanzlerkandidatin ihrer Partei zu sein scheint, ist für mich ein weiterer Hinweis für die Mutter-Projektion. Dass sie als "mein Mädchen" den Über- Vater Kohl hat stürzen können, ist psychodynamisch etwas völlig anderes, als eine "Mutter" zu entmachten.
"Vatermord" ist möglich, aber "Muttermord" undenkbar. Selbst die schlechtesten Mütter werden in aller Regel noch verklärt und idealisiert. Dass eine Mutter auch falsch, schlecht und richtig böse sein könnte, ist eine so große Bedrohung für die kindliche Existenz, dass eine solche Realität unbedingt verleugnet werden muss.
Sie prägt aber auch das Erwachsenen-Leben und so mancher "mächtige" Mann will sicher nichts von seiner Mutter-Abhängigkeit wissen, gegen die er Macht und Bedeutung angesammelt hat.

Angela Merkel die "Flüchtlings-Mutter"

Wir wissen alle, dass unsere Lebensform durch Klimawandel, Umweltzerstörung, wachsende Sozialkonflikte, Kriege um Ressourcen und durch Migration längst eine kritische Grenze erreicht hat.
Wir müssten unsere Entfremdung und den narzisstischen Größenwahn als bittere Realität akzeptieren und schmerzliche Mühen um eine neue, gerechtere Lebensform aufbringen.
Zur Abwehr dieser ängstigenden und bedrohlichen Realität wird die Bundeskanzlerin mit ihren phrasenhaften, beharrlichen und scheinbar souveränen Mantra's zur idealen Projektionsfigur, um Wohlstandsschuld zu beschwichtigen.
Vor allem als "Flüchtlings-Mutter" löst sie durch Realitätsverleugnung, Bagatellisierung der riesigen Probleme mit der Illusion des prinzipiell Schaffbaren einen Projektionssog aus, dem viele verfallen.
Moralisch geadelt durch eine vermeintliche humanitäre Entscheidung, die zur massenhaften unkontrollierten Zuwanderung geführt hat, ist sie betäubt durch den narzisstischen Größenwahn des schaff- und machbaren Erfolges einer "Willkommenskultur".
Dass keine Obergrenze an Zuwanderung und an materiellem Wachstum als Realität akzeptiert wird, halte ich für ein gefährliches Symptom narzisstischen Größenwahns und damit irrationaler Schuldabwehr des "falschen Lebens".

Der Feind steht nicht Rechts, sondern lauert in jedem von uns

Humanitäre Gesten lösen keine globalen Probleme, ganz im Gegenteil: sie vermehren nur illusionäre Hoffnungen. Die auffällige Verharmlosung der Gefahren der Zuwanderung mit den riesigen Integrationsbemühungen befreien nicht von Schuld.
Wer eine Regierung kraft seiner Projektionen wählt und den "Geschwisterkrieg" befeuert, kann nicht mehr sagen: er hätte die destruktive Fehlentwicklung der Gesellschaft nicht gewollt.
Deshalb: ehren wir den Protest, fördern wir die Kommunikation verfeindeter Positionen und ermutigen wir uns zu Visionen eines gerechteren Lebens.
Entlassen wir Politiker aus unserer Projektion, indem jeder danach sucht, was in ihm aufgestaut ist und sich extremistisch, rassistisch, hassvoll entlädt, und was bedürftig geblieben ist und damit Gier und Sucht befördert.
Teischel
 
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